Unternehmens-Check

Die große Chance?

Wer ein Unternehmen übernimmt, hat Vorteile: Er oder sie kann auf ein Unternehmenskonzept zurückgreifen, das sich in der Praxis bewährt hat. Das Unternehmen hat bereits einen eingeführten Namen, Standort, Produkte und seine Absatzmärkte und vor allem ein Kundenstamm sind schon vorhanden. Bei einer Unternehmensübernahme könnt ihr euch zumeist auf ein Team von erfahrenen Mitarbeitern stützen, das in erprobten organisatorischen Abläufen zusammen arbeitet. Gleiches gilt für vorhandene Lieferantenbeziehungen und das Netz von Geschäftspartnern, mit denen der Betrieb in der Vergangenheit erfolgreich kooperiert hat.

Und es gibt konkrete Unternehmenszahlen. Vorliegende Jahresabschlüsse und aktuelle BWAs geben Auskunft über die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und sind zugleich die verlässliche Basis für eine weitere Planung. Konsequenz: Das Kreditinstitut, das das Unternehmen ohnehin als Kunden behalten möchte, wird das Finanzierungskonzept bei der Bonitätsprüfung entsprechend positiv behandeln.

Natürlich können auch bei einer Unternehmensübernahme Probleme auftauchen. Längst nicht jeder Betrieb ist dazu geeignet, übernommen zu werden. Hat der alte Inhaber dem Unternehmen seinen Stempel zu sehr aufgedrückt, sieht sich der „Neue“ unter Umständen unerwarteten Herausforderungen gegenüber: Kunden und Mitarbeiter akzeptieren ihn nicht als neuen Chef; der Übergabeprozess gestaltet sich schwierig, wenn der bisherige Unternehmer sich nach wie vor in alles einmischt und dadurch Betriebsabläufe stört oder verzögert. Hier helfen frühzeitige Absprachen, die die Zuständigkeiten klar regeln. Unternehmen sind darüber hinaus nicht immer auf dem neuesten Stand: Eine veraltete Produkt- oder Leistungspalette, starre, ineffiziente Organisationsabläufe oder die Tatsache, dass in den letzten Jahren nicht mehr investiert wurde, um Modernisierungen (Maschinen, EDV-Ausrüstung etc.) durchzuführen – alle diese Aspekte müssen bei der Beurteilung des Betriebs im Vorfeld der Übernahme akribisch geprüft werden.

Der Betrieb

Um einen Betrieb beurteilen zu können, müssen zunächst eine Reihe von Informationen besorgt und analysiert werden. Neudeutsch heißt das Due Diligence. Hierzu gehören unter anderem Informationen über die Firmenentwicklung und Produkte des Betriebes, den Kundenkreis und die Lieferanten, eine Mitarbeiterliste und ein Organigramm.

Im Bereich der Mitarbeiter interessiert, welche Organisationsstruktur das Übernahmeunternehmen hat und ob sie zu Ihren Zukunftsplänen passt. Außerdem ist wichtig, welche Kompetenzen die Mitarbeiter mitbringen und welche Lücken und Ausfallrisiken im bestehenden Team existieren. Dabei spielt die Altersstruktur eine wichtige Rolle. Welche Personalbedarfsplanung resultiert daraus für den Übergabezeitraum und danach und wie kann eure zukünftige Unternehmensvision und -kultur kommuniziert werden?

Lernt die Produkte und Leistungen des Unternehmens genau kennen und analysiert, um welche Art von Produkten es sich handelt: End- oder Zulieferprodukt, Massenartikel oder Einzelstücke. Sind die Produkte beratungs- und/oder serviceintensiv – und ist die Personalplanung danach ausgerichtet? Wie ist der Vertrieb bisher strukturiert: eigene Außendienstmitarbeiter, Handelsvertreter, Großhändler und über welche Wege werden die größten Stückzahlen abgesetzt? Wie ist der Markt strukturiert? Gibt es wenige Wettbewerber oder viele? Und wie groß sind die Preisunterschiede zu Konkurrenzprodukten? Schließlich müsst ihr auch wissen, wie die Prozesse im Unternehmen gestaltet sind und entscheiden, ob Optimierungspotenzial im Workflow besteht. Untersucht genau Markt und Kunden des Unternehmens: In welchem Markt(-segment) bewegt sich das Unternehmen und nach welchen Regeln wird gespielt? Wer sind die Kunden des Unternehmens und welche sind dabei die wichtigsten und umsatzstärksten? Und wer liefert was an das Unternehmen?

Die Fakten

Mitunter sensibel sind Fragen nach der Ertrags- und Finanzlage des Unternehmens und dennoch sind sie unabdingbar. Ob das Unternehmen nachhaltig kapitaldienstfähig und damit voraussichtlich in der Lage ist, einen Kaufpreis zu finanzieren, könnt ihr nur mit einem Blick in die letzten Jahresabschlüsse und möglichst aussagefähige und begründete Planzahlen entscheiden. Das gibt euch auch einen Anhaltspunkt für den Wert des Unternehmens. Denn euch muss vorher klar sein, welche  zukünftigen Ertragsmöglichkeiten das Unternehmen bietet und welche Risiken ihr für die Finanzierung eingehen wollent.

Doch wie viel ist ein Unternehmen eigentlich wert? Dafür gibt es kein allgemeingültiges Bewertungsverfahren. Jeder Betrieb muss individuell bewertet werden, und dabei können unterschiedliche Bewertungsmethoden richtig sein. Während bei dem einen Betrieb die Gewinne ausschlaggebend sind, sind es beim anderen die hohen Vermögenswerte, die in den Maschinen oder im Warenlager gebunden sind. HIer hilft dir das Modul Unternehmensbewertung und der KMU-Rechner, den du unter Hilfen findest.

Die Finanzierung der Übernahme

Steht der Wert des Unternehmens fest, hängt es vor allem von den Finanzierungsmöglichkeiten des Übernehmers und den Bedürfnissen des Übergebers ab, wie der Kaufpreis gezahlt wird. Neben einer Einmalzahlung ist auch eine schrittweise Zahlung durch Raten denkbar. Eine Anzahlung mit weiteren laufenden Zahlungen hat den Vorteil, dass ihr den Kaufpreis nicht in einer Summe aufbringen müsst und dadurch weniger Liquiditätsprobleme habt. Dies würde auch dem Unternehmen zugute kommen. Allerdings sind laufende Zahlungen immer davon abhängig, dass das Unternehmen auch entsprechende Gewinne erwirtschaftet.

Bei einer Übernahme wird in der Regel das gesamte bisherige Privatvermögen des Nachfolgers aufgezehrt. Für die meisten Übernehmer wird es trotzdem nicht möglich sein, das Kapital für die Unternehmensnachfolge vollständig allein aufzubringen. Vielmehr müssen Kredite aufgenommen oder andere Finanziers gefunden werden. Dabei helfen zahlreiche öffentliche Fördermittel, die oft die günstigste Alternative sind, um eine Übernahme zu finanzieren. Alle Fördermittel für Existenzgründer gelten auch für Nachfolger! Öffentliche Mittel müssen jedoch immer vor der Übernahme bei der Hausbank beantragt werden. Hierfür wird ein Auszug aus dem Nachfolge-Konzept– die Business Modell Canvas für die Finanzmittelgeber – in einem separaten Dokument erstellt. Diese sollte so formuliert sein, dass die Bank gute Argumente für die Finanzierung des Vorhabens findet. Offensichtliche Risiken sollten daher angesprochen und direkt mit Lösungsvorschlägen versehen werden.

Neben einer Kreditfinanzierung ist das Engagement von Privatleuten (Business-Angels) und Beteiligungsgesellschaften eine weitere Finanzierungsmöglichkeit – nicht nur für technologieorientierte Unternehmen. Voraussetzung für das Interesse solcher Institutionen sind in der Regel eine bestimmte Betriebsgröße und der Nachweis nachhaltiger und stabiler Gewinne.

Aufgaben für dieses Thema

  • Überlege anhand der Gliederung in Felden/Pfannenschwarz: Unternehmensnachfolge, welche Kapitel(-teile) du für die Bearbeitung benötigst.
  • Besorge dir Literatur oder suche im Internet nach passenden Inhalten.
  • Schaue dir die Materialien zu diesem Bereich an.
  • Sende mir einen Onepager zu dem Thema mit den wesentlichen Erkenntnissen dieses Bereichs.

Relevante Dateien

Schreibe einen Kommentar