Strategie und Konzept

Die 5 W´s der Nachfolge-Planung

Die Nachfolgeplanung ist das wichtigste Kapitel eures Nachfolge-Konzeptes. Dementsprechend viel Zeit sollte von euch auch darauf verwenden, eine stimmige und von allen Beteiligten getragene Idee zu entwickeln. Berücksichtigt dabei die 5 „W’s“ der Nachfolgeplanung:
  1. Wer (gehört dazu)? Der bisherige Unternehmer als Geschäftsmann und Privatmensch. Oder vielleicht auch ein Partner, dem Unternehmensanteile gehören. Und du als Nachfolger oder Nachfolgerin. Und die Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Finanzpartner…
  2. Was (wird übergeben)? Definiert präzise, was übertragen werden soll. Die Firma, das Gebäude, die Maschinen? Was ist mit den Schulden?
  3. Wann (soll das geschehen)? Führungsverantwortung und Eigentum können sehr gut sukzessive und zu unterschiedlichen Zeitpunkten übergeben werden. Erstellt euch einen Zeitplan und definiert die geeigneten Milestones.
  4. Wie (wird übergeben)? Verschiedene Wege führen zum Ziel. Findt die für euch geeignete Übertragungsform.
  5. An Wen (wird übertragen)? Bist du ein qualifizierter Nachfolger oder Nachfolgerin, der oder die für dieses spezielle Unternehmen geeignet ist?

Führungsübertragung

Die Übertragung der Führungsverantwortung ist für die langfristige Existenz des Unternehmens besonders wichtig, da die Person des Unternehmers für den Erfolg des Betriebs maßgeblich ist. Diese Entscheidung hat noch keine direkten Auswirkungen auf die Vermögensverhältnisse. Damit beschäftigt ihr euch erst in der nächsten Station „Eigentumsübertragung“.

Mit der Unternehmensübertragung ergeben sich für alle Beteiligten große Veränderungen. Für den Übergeber entfällt die Strukturierung des Arbeitsalltags; zum anderen werden frühere „Freizeittermine“, wie das Abendessen mit Geschäftsfreunden, nicht mehr stattfinden. Und was bedeutet die Übernahme für euch als Nachfolger oder Nachfolgerin?

Stellt zusammen, wie ihr eure Woche neu strukturiert. Als Nachfolger müsst ihr zunächst eure zukünftige Arbeitszeit abschätzen. Fragt auch den Übergeber, ob ihr den Arbeitsaufwand für den Betrieb realistisch einschätzt. In der Regel müsst ihr Freiräume schaffen, um die neuen Herausforderungen meistern zu können. Damit wird die Zeit für Familie und Freunde oder für die Ausübung eines Hobbys knapper werden.

Ob der Führungswechsel sofort oder sukzessive stattfinden sollte – dafür gibt es kein Erfolgsrezept. Eure Entscheidung ist abhängig von der Betriebsgröße und eurem Wissensstand, aber auch von der Chemie zwischen den Nachfolgepartnern. Einerseits könnt ihr bei einem sofortigen Führungswechsel so manchen Konflikt über unterschiedliche unternehmerische Vorstellungen vermeiden; andererseits kann bei einer sukzessiven Übertragung der bisherige Unternehmer seinen Nachfolger bei Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten einführen und ihm oder ihr in der ersten Zeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. Aus Sicht des Unternehmens ist eine schrittweise Übertragung in aller Regel vorzuziehen. Unerwartet auftauchende Probleme der Übergangszeit können von Übergeber und Übernehmer gemeinsam oft besser gemeistert werden. Auch ergeben sich aus den innovativen Ideen eines Nachfolgers und der langjährigen Erfahrung eines Übergebers oftmals sehr positive Effekte für den Betrieb.

Wer macht eigentlich zukünftig was im Unternehmen? Erstellt zunächst eine Liste der Tätigkeiten, die bisher vom Unternehmer wahrgenommen werden (z. B. Mitarbeitergespräche oder die Nachkalkulation von Aufträgen). Fügt die Aufgaben hinzu, die zusätzlich auf den Nachfolger zukommen (z. B. Vertrieb für eine Kundengruppe, weil ein Mitarbeiter ebenfalls das Unternehmen verlässt). Überlegt dann, welche Aufgaben bzw. Verantwortungsbereiche in welcher Phase übertragen werden sollen. Formuliert konkrete Aufgaben für jede Phase der Übergabe, damit jeder genau weiß, was wann zu tun ist. Sollt ihr schon in der Testphase wichtigen Kunden vorgestellt werden? Dann hat der Übergeber die Aufgabe, diese Kunden auszuwählen, als Nachfolger müsst ihr die Kundenakten kennen, um mitreden zu können.

Eigentumsübertragung

In dieser Station klärt ihr, wie das Eigentum am Unternehmen übertragen wird. Überlegt genau, was ihr übernehmen wollt. Werden Anteile an einer Gesellschaft übertragen oder ein Einzelunternehmen? Was gehört alles dazu, nur das Vermögen oder auch die Schulden? Wollen oder müsst ihr auch betriebliche Immobilien übernehmen? Vermögensteile, die als Sicherheit für Kredite dienen, müssen oftmals aus Haftungsgründen übergeben werden, wenn der Übernehmer über wenig eigenes Vermögen verfügt. Und vergesst nicht die Frage nach dem Zeitpunkt der Übertragung.

Die Form und der Zeitpunkt einer Eigentumsübertragung hängen auch davon ab, ob der Übergeber mit dem Verkaufserlös seinen zukünftigen Lebensunterhalt bestreiten will oder wie viel Einkommen ihr für euch und eure Familie benötigt. Möglicherweise kommen zusätzliche Ausgaben auf das Unternehmen zu, weil ihr dem bisherigen Inhaber Pacht oder Miete zahlen werdet oder weil ihr einen zusätzlichen Kredit aufnehmt. Ihr müsst auch euren finanziellen Status und eure Erwartungen für die Zukunft kennen, um die für alle Beteiligten sinnvollste Form der Vermögensübertragung zu finden. Wie lange könnt ihr und eure Familie ohne Einkünfte auskommen, wenn der Betrieb keine Erträge erwirtschaftet? Auch die Finanzierung einer entsprechenden Risikovorsorge muss berücksichtigt werden. Ganz wichtig auch schon jetzt:  eine private Altersversorgung dürft ihr nicht vernachlässigen.

Die untenstehende Zusammenfassung gibt euch einen Überblick über die drei gängigsten Alternativen einer Vermögensübertragung. Möglicherweise wird auch eine Kombination verschiedener Übertragungsformen der richtige Weg sein. Vielleicht macht es Sinn, einen Betriebsteil zu pachten und einen anderen zu kaufen, wenn das Unternehmen in mehrere eigenständige Betriebsteile untergliedert ist. Ausführliche Informationen zu diesen Themen findet ihr im NachfolgeWiki.

Aufgaben für dieses Thema

  • Überlege anhand der Gliederung in Felden/Pfannenschwarz: Unternehmensnachfolge, welche Kapitel(-teile) du für die Bearbeitung benötigst.
  • Besorge dir Literatur oder suche im Internet nach passenden Inhalten.
  • Schaue dir die Materialien zu diesem Bereich an.
  • Sende mir einen Onepager zu dem Thema mit den wesentlichen Erkenntnissen dieses Bereichs.

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